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Widerstand beim Gassigang

von unserer Mitarbeiterin Perdita Goltz

Das hätten wir vorher üben sollen! Heute baten wir unsere Annette, Mitglied des Bobby-Fanclubs, den Bobby zu sitten. Bobby, verwöhnter Einzelhund, hasst es, wenn sein Rudel nicht komplett ist. Da aber Herrchen und Frauchen berufsbedingt beide nicht anwesend waren (eine große Ausnahme), erwarteten alle Beteiligten Erleichterung seitens Bobby, dass die liebe Annette, die er kennt und mag, ihn mittags “befreit”. Annettes 16jähriger Seniorhund Tanjuk nahm natürlich auch an der Abholung teil. Annette berichtet: Als ich die Haustür aufschloss, bellte Bobby natürlich. Das hielt Tanjuk allerdings nicht davon ab, schon mal nach hinten durchzugehen ins Esszimmer, wo sich ja bekanntlich Bobbys Leckerli-Vorräte befinden. Das wusste er nämlich noch von seinem letzten Besuch.

Ich versuchte inzwischen, Bobby das Geschirr anzulegen. Unvorsichtigerweise berührte ich dabei Bobbys … äh … kleinen Bobby – sofort warf er sich auf die Seite, fiepte und schaute mich weinerlich an! Das kann ja heiter werden, dachte ich. Ich rief Tanjuk, nahm die von Perdita vorbereitete Tüte mit Bobbys Decke und seinem Mittagssnack vom Haken und ging mit beiden Hunden los. Auf den ersten Metern lief das Gassi absolut problemlos, wenn auch das ständige Kreuzen der Arme und Umgreifen zu den verschiedenen Leinen – und dabei die blöde Tüte nicht loslassen – ein wenig umständlich war. Das Markier-Ritual und Lesen der Pi-Mails schien beiden Hunden zu gefallen. Nun mussten wir nur noch die verkehrsreiche Straße überqueren, um in den Park zu gelangen. Nach rechts und links geschaut und losmarschiert. Wir waren mitten auf der Straße, da fiel Bobby auf, dass er nun wohl weit genug von seinem Zuhause weg wäre. Er stemmte alle vier Pfoten in den Asphalt und wollte keinen Meter mehr gehen! Mit Mühe konnte ich ihn auf den Mittelstreifen zerren, immer in der Angst, dass er mir aus dem Geschirr entwischt! Adrenalinstoß! Schweißausbruch! Ob dieser unsanften Behandlung schmiss Bobby sich gleich wieder fiepend hin. Sein verzweifelter Blick schien zu sagen: Nicht schon wieder schlagen, Tante Annette! Um uns herum brauste der Verkehr, Fahrer und Beifahrer in den Autos verrenkten sich die Hälse, ich aber war mehr als froh, dass ich ausnahmsweise keine Jacke mit Tiertafel-Logo anhatte. Die Schlagzeile in dieser gewissen blutrünstigen Zeitung leuchtete förmlich vor meinem inneren Auge: “Bremer Ausgabestellenleiterin quält wehrlosen kleinen Dackelmix”. Tanjuk hingegen hatte sich genau diesen Moment auserkoren, um sein großes Geschäft zu erledigen, beachtete meine Bemühungen um seinen zartbesaiteten Kumpel nicht und pfiff sich ein fröhlich’ Liedlein. Was blieb mir anderes übrig, als den Rückweg anzutreten? Ihr hättet sehen sollen, wie schnell Bobby aus meinem Blickfeld verschwand, nachdem ich ihm Zuhause das Geschirr abgenommen hatte. Wahrscheinlich hasst er mich jetzt … Perdita ergänzt: Liebe Annette, sorge Dich nicht, Bobby hat keine weiteren Schäden davongetragen – er ist ganz einfach: ein guter Schauspieler!

Pflegestellen dringend gesucht!

Bremen braucht Hilfe!

Die Tiertafel Deutschland e.V. versteht sich nicht nur als „Dosenschubser“, sondern versucht ebenfalls Aufklärung über artgerechte Haltung und Umgang mit den Tieren zu leisten. Daher kommt es immer wieder vor, dass überforderte Tierhalter sich uns offenbaren und uns um Hilfe bei der Vermittlung von Tieren bitten. Auch krankheitsbedingte , kurzzeitige Hilfe ist immer wieder nötig. Diese Hilfe wollen wir natürlich ungerne abschlagen! Allerdings gestaltet sich die Suche nach geeigneten Pflegestellen und Endplätze vieler Tiere zunehmend schwierig, so dass leider nicht allen Tieren geholfen werden kann.

Deshalb bitten wir nun Sie um Hilfe! In Bremen und Umzu! Wenn Sie die Möglichkeit haben Hund, Katze, Maus & Co., sei es vorübergehend, oder auch für immer, bei sich aufzunehmen melden Sie sich bitte bei uns unter bremen@tiertafel.de. Natürlich werden wir Ihre Wünsche hierbei berücksichtigen.

Wir danken Ihnen ganz herzlich und freuen uns von Ihnen zu hören!

Das Bremer Team der Tiertafel Deutschland e.V.

EDIT 6. September 2010:

Wir haben im Blog jetzt eine Rubrik “Notfälle” wo Sie unsere aktuellen Kandidaten für Pflegestellen und Endplätze finden können.

Nach Überarbeitung unseres Blogs ab Ende 2011 wurde die Kategorie “Notfälle” umbenannt in “Tiere zur Vermittlung”

DOGWALK 2010

Es ist wieder so weit : Wie schon im letzten Jahr veranstalten wir auch dieses Jahr wieder den DOGWALK in Bremen!

Am nächsten Samstag, den 7. August findet der große Spaziergang zu Gunsten der Tiertafel Deutschland statt und alle sind eingeladen mitzulaufen. Diesmal treffen wir uns am Weseruferpark in Rablinghausen. Von dort aus führt die Strecke über 5 Kilometer vorbei am Lankenauer Höft. Für jeden gelaufenen Kilometer bekommen wir von unseren Sponsoren 100g Futter gespendet :-)

Wir freuen uns schon sehr und hoffen, dass wir die Teilnehmerzahl aus dem letzten Jahr noch übertreffen können. Wenn das Wetter mitspielt wird das ganz sicher klappen!

DOGWALK 2010 in Kürze:

Was? Am Start/Ziel gibt es ein schönes Fest, mit Essen, Trinken, Tombola, Hunde-Spaßparcour, Vorführung v. Hundeschulen & Siegerehrungen der Teilnehmer. Lass Dir Deine persönliche CO2-Bilanz im Klimawagen des NABU errechnen! Außerdem bekommt jeder vierbeinige Teilnehmer sein eigenes Tiertafel-Halsband als Erinnerungsgeschenk!

Wann? Am 7.8.2010 von 15 bis 18 Uhr

Wo? Weseruferpark Rablinghausen (Endhaltestelle der Buslinie 24).

Weitere Infos (auch zu den anderen Veranstaltungsorten in Deutschland) gibt es auf unserer DOGWALK-Seite und auch bei Facebook, wo ihr übrigens auch Fan des DOGWALK werden könnt. Wink. Zaunpfahl. :-)

Mein Leben mit der Tiertafel (Teil 1)

von unserem Mitarbeiter Folkert Lunz

Früher hatte ich mal lange Haare. Warum? Ich wollte halt einmal im Leben lange Haare gehabt haben. Also ließ ich sie mir bis über die Schulter wachsen, bis mir Menschen den Namen Jesus auf der Straße entgegenwarfen. Dann schnitt ich sie ab. Ich will auch einmal eine Glatze haben. Auf natürlichem Wege kommt die ja von ganz alleine, aber ich will mir mal eine schneiden oder zumindest schneiden lassen. Einfach aus dem Grund, weil ich wissen will wie das so ist. Ich bin ein neugieriger Mensch und wenn es etwas Neues zu erfahren gibt, das auch noch ungewöhnlich klingt, dann bin ich dabei.

Mit diesem Ziel saß ich damals natürlich nicht beim Friseur auf der grünen Warte-Couch. Ein ganz normaler Herrenhaarschnitt sollte es sein. Um mir die Zeit zu vertreiben bis ich unters Messer kam, wühlte ich in dem Zeitschriftenberg und suchte etwas In- teressantes. Nun gibt es ja beim Friseur maximal vier Sorten von Unterhaltung, in der man blättern kann. Da wäre das Hardcoverbuch mit Haarmodellen. Da schau ich aber nie rein. Weiter liegen dort auch Comics oder etwas „Bravo“-ähnliches. Find ich nicht schlecht, aber die ist immer so schnell durchgelesen. Ja und noch die Klischee Männer- und Frauenzeitschriften. Nun und da ist die Wahl für mich leicht. Für die Herbstdamenmode interessiere ich mich so gut wie gar nicht. Aber noch weniger interessieren mich Motorräder, Rennwagen und Fußballergebnisse. Also schmökerte ich die Brigitte durch und blieb am Bild eines Golden Retrievers hängen, dem grad von einer schmucken Dame der Bauch gekrault wird. Der nebenstehende Text behandelte irgendwas zum Thema „Fellkraulen ist Wellness für die moderne Frau“ oder so. Doch ich kam nicht dazu, weiter zu lesen. Eine andere Kundin setzte sich zu mir auf die Couch. Auch sie wartete, doch sie suchte sich nicht eine eigene Zeitschrift sondern schaute in meine. Das alles beobachte ich aus dem Augenwickel.

Eine Anfang Vierzigerin mit kurzen blonden Haaren. Nicht unsympathisch. Doch sie schien meinen Blick bemerkt zu haben und fragte ungeniert ob ich auch einen Hund hätte. Nun ich habe nicht wirklich einen Hund. Also so zum Drittel oder Viertel. So ein Scheidungshund eben. Übers Wochenende ist mal bei mir und ich mache das, was man mit Scheidungskindern halt macht. Ich verwöhne ihn und bringe ihn gegen den neuen Partner meiner Ex-Freundin auf.

Na ja und als ich das alles erzählt hatte, stellte sich so langsam raus, wen ich da neben mir auf der Couch sitzen hatte. Eine der beiden    Leiterinnen    der    Tiertafel-Ausgabestelle Bremen in Person. So sprachen wir ohne viele Vorbehalte über unsere Hunde und ihre Menschen, also uns selbst. Und wo landet das Gespräch, wenn man über Hunde spricht und das mit einem Tier- tafel-Mitglied? Richtig!

Mit geschickt formulierten Sätzen sponn sie mich in ein Geflecht von Tierliebe, Freizeit und Engagement ein. Was soll ich sagen? Als mir dann der Umhang von meiner Friseurin umgelegt wurde und sie nach meinen Wünschen fragte, waren meine Gedanken noch immer bei dem Flyer der Tiertafel in meiner Hand und beim Termin für den nächsten Freitag, zur ersten Ausgabe.

Morgen folgt der zweite Teil der Geschichte.